Steueramt

08.05.2020

Anlässlich meines Besuchs in der Schweiz, hat mich meine Schweizer Bank um die Bekanntgabe der internationalen Steuernummer, welche mir die kolumbianische Steuerbehörde zugeteilt hat. Weshalb? Tja, weil seit 01.01.2012 das Doppelbesteuerungsabkommen Schweiz - Kolumbien in Kraft getreten ist. Gemäss diesem Abkommen ist die Schweizer Bank gehalten, Angaben über meine Guthaben nach Kolumbien zu melden. Der Datenaustausch zu meiner Person findet mit der Steueridentifikationsnummer (TIN = Tax Identification Number) statt und deshalb muss ich diese in der Schweiz bekanntgeben. Da habe ich mal eine Aufgabe erhalten! 
Erste Abklärungen haben ergeben, dass diese Nummer hier "Número de Identificación Tributaria (NIT) heisst und bei der kolumbianischen Steuerbehörde DIAN beantragt werden kann. Soweit so gut! Optimistisch rufe ich die Webseite der DIAN auf und durchforste das Menu nach dem - hoffentlich vorhandenen - Online-Antrag für die Erstellung einer NIT. Leider werde ich nicht fündig. Aber da, ein Youtube-Video, welches mir Schritt für Schritt die Online-Terminanfrage erklärt. Ach so, ich muss online einen Termin beantragen und dann zum nächstgelegenen Steueramt und vor Ort die NIT beantragen?! Okay! Für die Online-Anmeldung brauche ich eine Kopie von meiner Cedula (ID), welche ich einscannen und schicken muss. Nach einem Tag erhalte ich die Freigabe für die Auswahl eines Termines des nächstgelegenen Steueramtes. Wiederum online öffne ich den Kalender des Steueramtes und .....?....? staune! Ganzer Februar keine Termine frei und dies am 3.2.2020! Eine telefonische Abklärung - vielleicht habe ich ja was falsch gemacht oder so - ergibt, dass im Februar - Mai Steuererklärungen abgegeben werden müssen und deshalb die Termine sehr schnell vergeben sind. Zuletzt erteilte mir der freundliche Herr noch den Tipp, am 1.3.2020 um 0.00 h online zu gehen und den Termin zu wählen. So hätte ich die besten Chancen! Merci viu Mau señor! Und tatsächlich, 10 Minuten nach Mitternacht, wähle ich den nächstmöglichen Termin am 5.3.2020 vormittags. 
Trotz Recherche konnte ich nicht herausfinden, welche Unterlagen ich mitbringen sollte, so dass ich - als Dolmetscherin - meine Nachbarin gebeten habe, mich zu  begleiten. Rechtzeitig sind wir los, da in der Bestätigungsmail fett geschrieben stand, dass wir 15 Minuten vor dem eigentlichen Termin dort sein müssen. Durch die verhältnismässig radikalen Sicherheitsmassnahmen (Besucherbadge beantragen, Körper- und Rucksack-Scanning, Eintrag im "Gästebuch" usw.) wurde es knapp den Wartsaal im 2. Stock zu erreichen. Keine Panik, denn hier musste ich erneut ein Ticket ziehen und warten! Nach 30 Minuten wurde meine Nummer aufgerufen und ich machte mich, mit Nachbarin Adriana, zum angegebenen Schalter auf. Die nette Dame verstaut aber vorerst mal einige Einkäufe (wohl das Mittagessen) und sucht für eine weitere nette Dame ein Plastiksäcklein, damit diese Früchte einpacken kann. So was würde ich mir ja gefallen lassen, aber die liebe Adriana nicht. Harsch beendet sie das "private" Treiben der Damen und bittet, mein Anliegen zu bearbeiten. Huiii! Diesen Ton (scharf) und Wörter (klar und deutlich, aber nicht unfreundlich) muss ich unbedingt trainieren für meinen nächsten Bankbesuch! 
Ich erkläre der Dame, dass ich diese NIT brauche und warum. Sie antwortet Adriana (meine Erklärung war wohl nicht so dolle), dass ich mich registrieren lassen muss. Antworten von Adriana wie folgt: Na dann machen Sie dies! Nein, wir gehen jetzt nicht an einen anderen Schalter! Hier ist die Cedula der Frau Edith, da finden Sie die nötigen Angaben! 
Und siehe da, nach 15 Minuten Rumgetippe am Computer, wird mir eine Bestätigung meiner Registrierung in die Hand gedrückt. Da ich nun schon mal hier bin, frage ich noch nach, wann ich die Steuererklärung erhalten würde. Die Dame schaut mich perplex an und sagt, dass ich keine solche erhalten werde, sondern die auf meine Initiative hin bei der DIAN runtergeladen, ausgefüllt und wieder eingeschickt werden müsse. Und da ich dies nicht postwendend nach Erhalt der Aufenthaltsbewilligung letzten Juni getan habe (und somit keine Steuern fürs 2019 bezahlt habe), müsse ich mit einer Busse rechnen. Ja äuä, oder?! 
Auf dem Heimweg klärt Adriana telefonisch bei ihrer Steuerberaterin ab. Ja genau, in Kolumbien musst Du dich IMMER selber beim Steueramt melden und mitteilen, dass Du Steuern entrichten möchtest bzw. solltest! Da fällt der Fünfliber! Kein Wunder hat Kolumbien nicht sehr viel Steuereinnahmen!